www.annelisezwez.ch Annelise Zwez in Bieler Tagblatt Februar 1999
Heinz Peter Kohler (geb. 1935) ist ein bedeutender Schweizer Aquarellist.
Wie vielen seiner Generation ist es ihm indes nicht gelungen, sich gesamtschweizerisch
Gehör zu verschaffen. Das Kunstmuseum Olten zeigt eine Retrospektive.
Der Oltner Konservator Peter Killer hat eine Marktlücke entdeckt. Indem
er immer wieder Künstler jener Generationen zeigt, die in anderen Museen
zur Zeit keine Chance haben, gibt er seinem kleinen, städtischen Museum
Profil. Manche rümpfen die Nase und sagen: "Nicht aktuell";
viele andere freuen sich. Denn es ist nicht einseitig die Jugend, die unsere
Gesellschaft prägt, sondern die Gleichzeitigkeit verschiedener Generationen.
In den 60er Jahren galt der Bieler Heinz Peter Kohler als schweizerischer
Hoffnungsträger. Zu dreien Malen erhielt er ein Eidgenössisches
Stipendium, zu dreien Malen den Kiefer-Hablitzel-Preis. Wie viele Berner
Künstler bis zur Generation der frühen 40er Jahrgänge, war
Kohler Schüler der "Akademie" von Max von Mühlenen.
Dass von Anfang an das Aquarell im Vordergrund stand, begründet der
Künstler mit finanziellen Zwängen; Papier und Wasserfarbe seien
viel billiger gewesen als Leinwand und Oelfarben. Dass er - mit Ausnahmen
- dabei blieb, hat tieferliegende Gründe.
In der rund 200 Arbeiten von 1965 bis heute vernetzenden Ausstellung gibt
es eine Wand mit dicht gehängten Kleinformaten. Sie heissen unter anderem
"Das Dorf", "Brasilien", "Bettlerin", "Maison
d'ôr". Dazwischen, Kreuzstichen gleich, immer wieder "See-Land".
Kohler ist kein Illustrator; die Titel benennen zwar meist visuell Einsehbares,
doch der Bogen reicht von Konstruktivem, über Erzählerisches bis
zu Abstraktem. Man könnte die Namen als zugleich physische wie psychische
"Orte" bezeichnen. Mit den wiederkehrenden Haltepunkten "See-Land"
nennt Kohler somit den inneren wie äusseren Ort seiner Malerei.
Am See zu leben, vom See geprägt zu sein, hat mit Wasser zu tun. Bei
dem im Wasserzeichen "Skorpion" geborenen Heinz Peter Kohler gilt
das äusserlich und innerlich. Auf die Frage, ob er mit Wasser male,
weil er am See lebe, antwortete Kohler einmal: "Ich weiss das nicht,
aber es ist wohl so". In seinem Werk äussert sich dies in Bildern,
die nie ganz Materie werden, sondern flüchtig, fliessend eine Erinnerung,
eine Empfindung, einen Blick spiegeln. Ununterbrochen ist Kohler an der
Arbeit; Wasser lässt sich nicht festhalten. Obwohl die Ausstellung
in Olten entsprechende Fülle zeigt, entspricht sie einer rigorosen
Auswahl. Das macht sie dichter im Vergleich zu früheren Ausstellungen.
Sie lässt eindrücklich sichtbar werden wie Kohler die Ausdrucksmöglichkeiten
des Aquarells im Laufe der Jahre weitet, immer neue Stilformen integriert,
ohne sich selbst aufzugeben. Alles wird in den Fluss einverleibt; auch die
Kunstgeschichte. Erinnerungen an Maler vom Impressionismus über den
Expressionismus bis zum Informel sowohl stiller wie heftiger Prägung
begleiten das Schauen, als Enge und Weite zugleich.
Anstelle eines Kataloges ist die 1995 in den "Editions clandestins"
erschienene Monographie sowie das 1994 von der Galerie Silvio Baviera herausgegebene
"Wassermalen" erhältlich.