Die Hauptakzente der grossräumigen Inszenierung
von Lucie Schenker (geb. 1943) im Museum Bickel bilden die beiden neuen
Arbeiten „Staccato“ und „Vivace“.
Sie nehmen die Leichtigkeit und das organische Wachstum der
Polyethylen-Werke der letzten Jahre auf, führen sie aber zum einen in neuer Materialität zur exakten
Form, zum andern als „Wolke“ zum
früher werkprägenden Metallgewebe zurück.
„Staccato“ besteht aus zwei frei im
Raum schwebenden, von innen beleuchteten Treppen aus hauchdünnem „Ripstop
Nylon“, einer High-Tech-Seide wie sie auch für Gleitschirme verwendet wird.
„Die Idee dazu“, so die St. Galler Künstlerin, „stammt von den Treppen für
Mohameds Aufstieg in den siebten Himmel“.
Transparenz, die in abstrakter Form
immer auch Transzendenz mitmeint, charakterisiert das Schaffen Schenkers. Hier
nun bildet sich im Staccato von Aufstieg (Treppe 1) und gegengleichem Abstieg
(Treppe 2) ein Spannungsfeld, das die Form lichtvoll und federleicht in den Raum weitet.
„Vivace“ hingegen geht auf die
ausgestellten Studien zur Frage, wie sich feste Formen und variable Wolken
verbinden könnten, zurück. Das Resultat besteht aus Hunderten von flügelartig
ausgefransten, schmalen Metallgewebestreifen. Diese hängen an Nylon-Fäden von
der offenen Dachkonstruktion und bilden eine mückenschwarmähnlich vibrierende
Wolke. Durch ihre metallene Materialität und ihre Durchlässigkeit umschreibt
die Skulptur die Gleichzeitigkeit von physischer Präsenz und immateriell
umschriebener Form im Raum. Weitere Arbeiten von 1997 bis heute schaffen
Verbindungslinien zum Werkganzen.
Museum Bickel, bis 26. Juli www.museumbickel.ch
Bild:
Lucie Schenker: „Staccato“ (Treppe 1), 3.50 x 3.50 Meter, Gleitschirm-Seide, Neon-Röhre. Bild: azw