Bereits zum fünften Mal stellt Pascal Danz bei Silvia Steiner in der Seevorstadt aus. “Remainings“ ist der Titel der nicht ganz unproblematischen Schau.
Der Berner Pascal Danz gehört zusammen mit dem
ebenfalls aus Bern stammenden Uwe Wittwer und dem in Murten arbeitenden Alois
Lichtsteiner zu jenen Schweizer Künstlern, die in den letzten Jahren den Sprung
in den internationalen Kunstmarkt geschafft haben. Alle drei hat Galeristin Silvia Steiner in ihren
Anfängen gefördert.
Wenn sich das in der aktuellen Ausstellung des mittlerweile 48-jährigen Pascal Danz nicht nur positiv zeigt, so ist das wohl ganz einfach realistisch zu betrachten. An repräsentative Ausstellungsräume gewöhnt, malt Danz inzwischen nicht nur, aber vor allem grossformatig. So, dass die Hochformate in der Galerie an der Seevorstadt nicht mehr gehängt werden können, sondern nun halt auf Schaumgummi auf dem Boden stehen und an die Wand lehnen.
Nicht, dass man die einer Art Nach-Bild ähnelnden Sicht auf Hongkong nun nicht
estimieren könnte, aber sie verdeutlichen ungewollt, dass die seit 1967 in
identischer Form genutzten Galerie-Räume halt nicht mehr heutigen Standards
entsprechen. Etwas, das Silvia Steiner sonst durch geschickte Bildwahl und
geübte Inszenierungen trefflich cachiert.
Es kommt hinzu, dass in der Titel gebenden Hauptausstellung
ausschliesslich Bilder aus den Jahren 2005/2006 zu sehen sind. Nicht, dass das
Neueste immer das Beste wäre, aber es suggeriert halt doch irgendwie die
Galerien-Hierarchie des bei Haunch and Venison (Zürich/London/New York), bei
Blanc Pain Art Contemporain (Genf) und andernorts ausstellenden Künstlers.
Kurzum, der Ausstellung mangelt es etwas an jenem spür- und sichtbaren Eingehen
auf gerade diese und keine andere Ausstellung.
Für ein anderes Moment kann man den Künstler nicht belangen.
Danz beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit den Veränderungen von
Bildern durch subjektives Betrachten. Er geht dabei nicht vom Realbildern aus,
sondern von mediatisierten, neuerdings auch eigenen, unscharfen
Handy-Fotografien. Bekannt geworden ist Danz so unter anderem mit Bildern von geschichtsträchtigen Orten
– zum Beispiel dem Balkon, von welchem aus 1972 das Blutbad an der Olympiade in
München ausgelöst wurde. Das heisst die Bilder erzählten oft eine versteckte
Geschichte. Auch in der letzten
Ausstellung in Biel (2005) war das noch so. Da war unter anderem ein Bild von
Putins Hund (ohne den Meister) zu sehen.
Das hat Danz nun hinter sich gelassen und vertraut ganz auf
die eigene Geschichte, die eigenen Wahrnehmungen. „Ich male was in meiner
Erinnerung übrig bleibt“, sagt er.
Dieses Vorgehen ist von seiner Karriere her verständlich, macht es aber
schwierig, seine Bilder vom Mainstream an Kunstwerken zu unterscheiden, die,
meist mittels PC-Software, Bildveränderungen thematisieren, insbesondere im
Bereich Unschärfe. Dass er früher als die meisten damit begann und deutlicher
als Maler und mit malerischen Mitteln arbeitet, kann zwar bedacht, aber nicht auf den ersten Blick gesehen
werden. Dies umsomehr als Städte-Skylines ein vielbeackertes Themenfeld sind.
Es ist darum gut möglich, dass er nicht zuletzt deswegen diese Thematik in den letzten zwei Jahren wieder verlassen hat, deutlich gegenständlicher wurde, Figürliches neu entdeckt hat, aber das ist in der Bieler Ausstellung nicht zu sehen; hier dominiert die Landschaft – sei es die Städte-Landschaft, ein Wasserfall oder auch Traditionelles auslotende kleine „English landscapes“.
Info: Die Ausstellung dauert bis 3. Oktober und ist Mi, Do, Fr 14-18, Sa bis 17 Uhr geöffnet. Apéro mit dem Künstler: So, 20. Sept. 11-13 Uhr.
Bildlegende:
„Remainings/Hongkong“,Tinte auf
Papier, 200 x 145 cm, 2005. Bild: azw