www.annelisezwez.ch Annelise Zwez in Bieler Tagblatt vom 10. Okt. 2009
(vgl. auch Fünf Berner Fotografen im Photoforum)
1984
startete das Photoforum in drei Klassenräumen des Progymnasiums an der
Seevorstadt 71 (also praktisch in
den heutigen Sälen) seine Ausstellungstätigkeit. Mit klassisch schwarz-weissen
Aufnahmen von Peter Gasser.
Eine öffentliche Institution, die ausschliesslich
Fotografie zeigt, war damals eine Pioniertat. In Biel war sie Frucht vorausgehender
Aktivitäten. Sowohl der Vater des Photoforums, der einstige Bieler
Kultursekretär Francis Siegfried, wie der Fotograf Marco Paoluzzo zeigten schon
Jahre zuvor in kleinen Rahmen, was
Original-Fotos in Bilderrahmen auszudrücken vermögen. Henri Favrod drückte es
2001 anlässlich der Verleihung des Kulturvermittlungs-Preises an Siegfried und
die Fototage so aus: „Als ich das Fotomuseum Lausanne gründete, war Francis
schon seit Jahren an der Arbeit!“
Mit enormem Elan holte das Photoforum
bedeutende Schweizer Fotografinnen und Fotografen nach Biel und bot den hier
Tätigen ein Fenster zur Öffentlich-keit. 1985 fanden nicht weniger als neun
Ausstellungen mit 14 Beteiligten statt. Zu sehen waren unter anderem Portfolios
von Dominique Uldry, Henriette Gindrat, Christian HeImle, Iren Stehli, Monique
Jacot, Marco Paoluzzo und Jeanne Chevalier.
1987
konstituierte sich das Photoforum als Verein, mit Francis Boillat, Georges Luks
und Heini Stucki und anderen im ersten Komitee. Gleichzeitig dislozierte das
Forum ins Museum Neuhaus, bis es 1991 an den ursprünglichen Ort zurückkehrte.
Von Anfang an ist es Siegfried ein Anliegen, das Photoforum national zu
vernetzen; mit anderen Institutionen, Schulen, Fördergremien, aber auch mit der
Weihnachtsausstellung, an welcher sich Fotoschaffende aus der ganzen Schweiz
beteiligen können.1994 wird das Photoforum Teil der Institutions-Gemeinschaft
Centre Pasquart.
Noch ist das
Photoforum eine kleine Institution. Ehrenamtlichkeit und kaum Subventionen
setzen Grenzen. Doch Idealismus und Engagement überwinden immer wieder Hürden.
Die Gründung der Bieler Fototage 1997 ist ohne das vom Photoforum geschaffene Klima nicht denkbar.
Ein grosser Schritt ist 2000 die Eröffnung des „neuen“ Centre
Pasquart, das dem Photoforum eine Verdoppelung der Räume und eine Erhöhung der
öffentlichen Subventionen bringt. Mit der Ehrung für kulturelle Verdienste 2001
bringt die Stadt zum Ausdruck, das Biel dank dem Photoforum zur Fotostadt geworden sei.
2003 findet der Wechsel
von Francis Siegfried zu Daniel Müller statt. Eine gelungene Installation im
Korridor des Photoforums (Bild) gibt Einblick in die rund 200 Ausstellungen der
letzten 25 Jahre.
Kommentar
Fotostadt
Biel
Dass sich das
Photoforum 25 Jahre nach seiner Gründung nach wie vor im Aufwind befindet, ist
nicht nur eine Erfolgsgeschichte, sondern ein schönes Beispiel dafür, was
persönliches Engagement bewirken kann.
Im konkreten Fall gehört der grösste
Blumenstrauss Francis Siegfried. Aber nur in einem Umfeld mit dem Potenzial von
Mitstreitern und Mitstreiterinnen kann es gelingen, eine Kraft zu entwickeln,
die schliesslich die kulturelle Identität einer Stadt von 50 000 Einwohnern
mitbestimmt. Biel ist heute „Fotostadt“ (und vieles mehr).
Das Photoforum hatte
das Glück, im richtigen Zeitpunkt auf das richtige Pferd zu setzen, denn ab
Mitte der 1980er-Jahre fällt die Schranke zwischen angewandter und freier
Fotografie zusehends. In einem Umfeld, in dem erst wenige Fotoinstitutionen
tätig sind, kann Biel einladen wen immer es möchte und schnell gute Qualität
zeigen.
Heute ist die Situation wesentlich schwieriger – die Museen zeigen
Fotografie, keine grössere Stadt ohne Foto-Galerien und Fotoforen. Überdies
ist die grossformatige
Kunstfotografie in der Herstellung sehr teuer und die Künstler erwarten bei Einladungen
Produktionszuschüsse. Das Photoforum hat darum gut daran getan, der Fotografie
zwischen Reportageinstrument und freiem künstlerischem Medium stets besonders
viel Raum zu gewähren und so ein
eigenes Profil zu halten. Denn auch mit städtischen Subventionen von aktuell
180 000 Franken (plus 20 000 Franken vom Kanton Bern) wachsen die Bäume nicht
in den Himmel.
Dennoch sollte die Devise für die Zukunft nicht nur das seit der
Erneuerung des Vorstandes verstärkt formulierte Ziel einer stärkeren Stimme im
nationalen Konzert sein, sondern auch etwas mehr Mut zum Risiko beinhalten.
Risiko sowohl was Inszenierungen anbetrifft wie den Umgang mit dem Medium
zwischen Authentizität und digitaler Manipulation, aber auch den bearbeiteten
Themen selbst. Wann hat eine Ausstellung im Photoforum je einen Leserbrief
provoziert? Oder gar die Medien aus Zürich nach Biel gelockt? Da ist für die
Zukunft noch Arbeit angesagt!
Das
Photoforum Pasquart wird vom Verein Photoforum getragen. Dieser umfasst rund
600 Mitglieder in der ganzen Schweiz.
Präsident ist
Alain Sermet, Direktor Daniel Müller.
Die
Mitgliedschaft ist Voraussetzung für die Teilnahme an der „Selection/Auswahl“
(früher Weihnachtsausstellung).
Die jurierte
Ausstellung findet parallel zur Weihnachtsausstellung im Museum Pasquart statt.
Aus Anlass
des 25-Jahr-Jubiläums beträgt der „Prix Photoforum“ heuer dank einem Sponsor
erstmals 10 000 Franken (bisher 5000).