Annatina Graf,Schweizer Malerin, Video- u. Computerkünstlerin. Nutzt statische und bewegte Bildern für den Dialog von Wirklichkeit und Erinnerung. * 23. Februar 1965 in Zürich.
Wächst mit 3
Geschwistern in zugleich bürgerlichem wie unkonventionellem Milieu in Chur auf.
Geniesst im Lehrerseminar die neuen gesellschaftlichen Freiheiten der Zeit um
1980. Beitreibt Modern Dance. Ab 1986 Primarlehrerin im
katholisch-konservativen Schwarzbubenland (SO). Kompensiert Konflikte durch
malen. Besucht Kurse für Malerei, Lithographie sowie feministische Literatur an
der Schule für Gestaltung und der Volkshochschule in Basel. Heiratet den
Chemiker Martin Hadorn, Geburt von Andri (1991). Malt im ersten eigenen Atelier
vom Körper abgetrennte Männerköpfe, liegend, auf Sockeln, einzeln und zu
Ornamenten erweitert. Aktiv in der Kunstszene der Region.
1995 erste
Ausstellung und Geburt von Laura. Gründungsmitglied der „Edition Hirschkuh“. Nach einer Serie expressiver Lithos mit Halbfiguren werden
die Körper formbetonter, weiblicher. 1998 Scheidung und Umzug nach Solothurn;
Partnerschaft mit dem Maler Jörg Mollet. Die Fremd-Körper werden zu
Eigenkörpern. Ausschnitte von Digitalfotos des eigenen nackten Körpers werden
als Malerei zu sinnlichen Oberflächen zwischen vage sichtbarem Aussen und
subtil erfühltem Innern („Zeig mir Dein Meer“).
Arbeitet sich autodidaktisch in
digitale Bildprogramme ein, setzt Funktionen wie Zoom, Animation, Farben, Linien, Schärfe, Unschärfe,als
Instrumente ein, um die Visualität und Emotionalität des Körperlichen zu
verschmelzen. Dia-Projektionen,
Fotografien und Malerei verbinden sich zur schillernden Raum-Installation („Feuerkörper“,
„Unverblümt“). Video wird zusätzliches Medium. Ornamente und Wasser, als
spiegelnde Flächen oder als Raum für Schwimmer werden zum Thema („Garten
Eden“). Die Malerei sucht zu greifen, was im bewegten Bild fliesst; ein Puzzle
von Konturen, Flecken in grau und weiss.
Ab 2002 Dia-Projektionen für Tanz-Theater-Inszenierungen. 2004 Offenes Atelier in Amsterdam. Das PC-bearbeitete Video-Projekt „communication invisible“ (2005), das die „Hirntätigkeit“ von Musikern visualisiert, geht erstmals auf den Menschen zu. Fortführung in „Mein Lieblingsbild“ für das Kunstmuseum Solothurn (2006). Sich überlagernde Wandzeichnungen und Bild-Animationen im „final cut“-Verfahren heben häusliche Szenen („Idylle“) ab 2005 aus der Norm; Zeit, Wahrnehmung und Raum werden eins. 2006/07 Master-Ausbildung in Digital Media an der Hochschule für Gestaltung und Kunst, Luzern. Konsequentes Hinterfragen und Kompilieren der verwendeten Medien als existentielle Fragen an Sehen und Erleben respektive kollektives und individuelles Erinnern. Unter dem Stichwort „Fernsicht“ werden Fernseh-Bilder und Fernseh-Zuschauer in Reduktion auf die Licht-Farben gelb, blau, rot und schwarz zur medialen Malerei und prüfen als digitale Drucke fast ohne Farbe ihr Verhältnis zur schwarz/weiss-Fotografie. 2007 erhält AG den Zürcher Fontana-Gränacher Preis.
Werke des Künstlers mit Standortnamen: CHUR Städtische Sammlung. GRENCHEN Städtische Sammlung, Kunsthaus. SOLOTHURN Städtische und kantonale Sammlung, Kunstmuseum, Bank SOBA.
Ausstellungen E:
Breitenbach: Forum 10, 1995. Laufen: Brauereichäller, 1997; Chelsea Galerie,
2001/2004/2008. Basel: Galerie Hubbuch, 1998. Aarwangen: Galerie 89, 1999. Solothurn: Künstlerhaus, 1999/2002
Balsthal: Galerie Rössli, 2000 (Kat.)/2007 (Kat.). Amsterdam: Galerie BMB,
2004. Chur: Kunstraum Sandra Romer, 2007. G: Grenchen: Internationale
Triennale für Druckgrafik, 2000/03/06 (Kat.); Kunsthaus, 2004
(Kat.). Solothurn: CH-Edition 5, 2000; Jahresausstellung der Solothurner
Künstler, 2002/04/06; Kunstmuseum, 2006. Olten: Jahresausstellung Solothurner
Künstler, 2001/03/05/07. Chur: Jahresausstellung der Bündner Künstler, 2003/05.
San Francisco: Mohr Gallery, 2004, Schweizer Konsulat, 2006. Karlsruhe: art
Karlsruhe, 2004/05. Winterthur: Oxydhalle, 2005. Basel: PrintBasel, 2007.
Zürich: Kunst Zürich, 2007.
Bibliographie: Roswitha Schild in „Così bello, così pericoloso“, Kat. Chelsea Galerie, Laufen, 2004 und „Im Lichte der Erinnerung“, Edition Hirschkuh, Kleinlützel, 2007. Julie Hengeveld, Aurel Schmidt in „In Amsterdam und überall“, Edition Hirschkuh, Kleinlützel, 2005. Christoph Vögele in „Die Erinnerung als Lieblingsbild“, Edition Hirschkuh, Kleinlützel, 2006.
Internet: www.annatinagraf.ch