„Markenzeichen“ des in Bern
lebenden Walliser Künstlers Vincent Chablais sind Bilder mit Rhomben-Gitter, die den Ort des malerischen
Geschehens in ein davor und dahinter unterteilen. Die Ausstellung in den
„Halles“ in Porrentruy zeigt indes, dass erst der Gesamt- Kontext den Kunst-Raum erfahrbar
macht, in dem sich Chablais bewegt.
Die
ausgesprochen malerisch und durch Verschnitte objekthaft an
gelegten
grossformatigen Gitter-Bilder, wie sie das aktuelle Schaffen des 1962 Geborenen
charakterisieren, sind aus früheren Arbeiten zu Rhythmus und Proportionen von
Mehrfamilienhaus-Fassaden hervor gegangen.
Sie haben sich aus dieser Epoche nicht nur die Nähe
zur Architektur, sondern auch das Spiel mit Ein-, Aus- und Durchblicken,
Blenden und Spiegelungen bewahrt. In ihrer kompositionellen Anlage sind sie aber
wesentlich freier, abstrakter und lichtbetonter, in jüngster Zeit sogar
farbiger.
So haben sie in dem von
vier Säulen getragenen Kunsthallen-Raum denn auch nicht die Funktion von
„Grenzwächtern“, sondern öffnen vielmehr die Eckwände Fenstern gleich zu einer
fiktiven „Landschaft“ hin.
Dadurch erhält der Ausstellungsraum im Innern Intérieur-Charakter und dementsprechend sind darin auch zwei Tische platziert. Auf ihnen sind Skizzen und Fragmente ausgelegt, welche die Denkfelder des Künstlers zu Architektur, Innen- und Aussenräumen ausloten. Man spürt in ihnen wie sehr Chablais es liebt, Möglichkeiten mitsamt Pirouetten auf und mit Papier festzuhalten. Was so ist, könnte auch anders sein.
Auch die flächigeren und farblich reduzierten Papier-Objekt-Bilder im rückwärtigen Teil der Halle betonen mit den Mitteln des Kubismus respektive mit gemalten Papier-Faltungen Innenräumlichkeit. Zuweilen vergegenständlichen sie sich auch, bis hin zu einer Batterie von Schlagzeug-Instrumenten, die den Raum virtuell mit rhythmischen Klängen erfüllen. Gegenständlichkeit und Ungegenständlichkeit standen in Chablais Schaffen schon immer im Dialog.
Wie sehr der Künstler das Changieren zwischen hier und dort
mag, zeigt sich nirgendwo so deutlich wie an der Wand nahe des Eingangs. Da
sind zunächst als Strichskizzen auf semitransparenten, teils überlagerten
Papieren scherenschnittartig vereinzelte Gittermuster zu sehen.
Mit ihren
schlanken Silhouetten assoziiert man sie indes unwillkürlich mit weiblichen
Figuren, die – so scheint es – aus der Virtualität der Kunst heraus in den Raum
treten. Die Ausstellung wird damit andeutungsweise zum vibrierenden Lebensraum,
der analog früheren Inszenierungen, das Licht von aussen malerisch eindringen
lässt, sich in Denkfeldern „vor und nach“ – so der Titel eines Werkes - ausweitet und den man doch nie auf
Eindeutigkeit fixieren kann.
Als Kuratorinnen der Austellung firmieren die beiden Bieler Kunsthistorikerinnen Hélène Joye-Cagnard und Catherine Kohler, die den seit 1998 für die „Halles“ zeichnenden, aktuell in Paris weilenden Philippe Quéloz zur Zeit vertreten.
In eindrücklicher Weise hat Vincent Chablais seine Inszenierung auch in die Ausstellungs-„Edition“ integriert.
Er entwarf aus Papier einen kleinen, als Guckkasten dienenden „Origami“-Würfel, der im Innern einen malerischen Bilder-Raum sichtbar macht, so man ihn gegen eine von aussen wirkende Lichtquelle hält. Editionen gehören seit 1998 zur Tradition des immer wieder mit ausserordentlichen Ausstellungen auffallenden jurassischen „Centre d’art contemporain (les halles)“.
Centre d’art contemporain
(les halles), Porrentruy, bis 2.5. 2010
www.eac-leshalles.ch
www.vincentchablais.ch
Bildlegende:
Vincent Chablais: o.T. 2009, 240 x 260cm, Papier / Öl und Bienenwachsfarbe auf Papier. Foto: zvg