www.annelisezwez.ch Annelise Zwez in Kunstbulletin April 2010
Zum zweiten Mal
präsentiert ein Schweizer Museum Ausschnitte aus der international angelegten Privatsammlung von Peter und
Annette Nobel, die seit 25 Jahren das Thema „Press Art“ fokussiert.
War 2001 im
PasquArt in Biel von einem Konvolut von 250 Werken die Rede, so konnten die
Kuratoren Christoph Doswald und Konrad Bitterli für St. Gallen nun aus einer
Fülle von 700 Werken auswählen.
Die Fixpunkte bilden zwar auch diesmal die
Dada-Zeit, Andy Warhol und sein Umfeld, sowie Joseph Beuys und seine
Nachfolger, doch vor allem die Frühzeit inklusive relevante Werke der russischen Avantgarde haben eine
markante Verdichtung erfahren. Andererseits wagte sich das Sammlerpaar deutlicher
in die Jetztzeit und auch zum Grossformat; erwähnt sei das Gruppenfoto mit
Zeitungsfiguren von Olaf Breuning oder das Collage-Porträt auf semitransparentem Stoff von Gabi
Trinkaus.
Selten geht es um die Inhalte der News-Fragmente aus Tagespresse oder Magazinen. Im Brennpunkt steht vielmehr der Dialog von Massenmedium und individueller Gestaltung. Die Collage bleibt die ganzen 100 Jahre die häufigste Technik. Es geht nicht darum, was man mit Zeitungspapier alles „basteln“ kann, sondern um die fast schon historische Dimension der gedruckten Presse im Spiegel der Kunst. Allerdings tritt mit der Fotografie – sei es Candida Hoefers Hängeregistratur für Presseerzeugnisse oder Wolfgang Tillmanns Frühstücks-Stilleben mit Lesestoff – eine neue, indirekte Repräsentation hinzu.
Kunstmuseum, bis 20. Juni 2010.
Umfangreiche Publikation (Texte: Thomas
Held, Dorothea Strauss, Peter von Matt u.a.)
www.kunstmuseumsg.ch
Bildlegende:
Felix Droese,
Zeitungspapier-Scherenschnitt auf
schwarzem Grund, 1978. Bild: azw