Das Basler Künstlerduo Hendrikje Kühne (geb. 1962) und
Beat Klein (geb. 1956) hat in den letzten zehn Jahren eine ganz spezifische
künstlerische Sprache entwickelt.
Es zerschneidet Werbeprospekte, Post- und
Kunstkarten, TV-Magazine und mehr in Puzzleteile, klebt diese auf Karton und
schneidet sie entweder so ein, sodass sie ineinander gesteckt oder zu Collagen
verleimt werden können. Was eine Masche sein könnte, erweist sich im Überblick
als formal variations- und inhaltsreicher als bisher wahrgenommen.
Bildeten bei
den kartographischen Boden-Arbeiten wie „Typical Swiss“ (2002) viele einzelne
Steck-Einheiten die Bildform, so sind Werke wie „Hedge“ (2008) oder „Ein Haufen
Zeit“ (2009) nun eigentliche Skulpturen, die vielen hundert Teile alle
miteinander verbunden. Auch das „barocke“ Spiel mit Bildwandlungen je nach
Standort hat das Team sowohl durch Anordnung wie Verwendung von Spiegel- oder
Laminatfolie auf den Puzzle-Rückseiten erweitert. Ausgebaut wurde auch das
Prinzip der Collage. Ausgestellt ist insbesondere eine Reihe von „Paintings“ –
Landschaften im Stil des 17. bis 19. Jahrhunderts aus Fragmenten von
Kunstpostkarten.
Als raffiniert erweist sich, dass die Teile kaum auf ihre Ursprünge zurückgeführt werden können, somit nur als Abbilder von „Malerei“ im Dienst von Kühne/Klein erkennbar sind. Die formale, methodische Ebene ist ein wichtiger Teil der Kunst von Kühne/Klein. Aber die Qualität ergibt sich in der Kombination mit der Thematik, die vielfach in kritisch-ironischem Diskurs zum Verhältnis von Werbung, Konsum und Realität steht – vom Warenmarkt über den Tourismus bis zur Filmindustrie. „Hedge“ mit seinen tausend farbigen Vögeln und die Tonbildschau „Artifex semper beatus est“ weisen darauf hin, dass das Duo nun auch die (digitale) Omnipräsenz lexikalischen Wissens als Thema für sich entdeckt hat.
Parallel zu Kühne/Klein zeigt das Museum „Notturno“ – Bilder der Nacht – eine um Leihgaben erweiterte Sammlungsausstellung, die unter dem Deckmantel ihres Themas eine ganz andere, aber nicht minder überraschende Art von Puzzle zeigt. Stilistische Kriterien ignorierend findet da so scheinbar Disparates wie Werke von Charles Wyrsch und Sabine Hagmann von Cécile Wick und Kurt Hediger, von Otto Frölicher, Christian Rothacher, Viktor Surbek und vielen anderen Künstlern des 19. bis 21. Jh. zusammen.
Kunstmuseum Olten, bis 22. November 2009. Katalog Christoph Merian Verlag. www.kunstmuseumolten.ch
Bildlegende:
Kühne/Klein · „Ein Haufen Zeit“, Abbildungen aus TV-Zeitschriften auf Spiegelfolie · 82.5 x 90 cm. Im Hintergrund: „Complementary Targets“, Werbeabbildungen auf Karton · ø 87 resp 59 cm. Bild: azw