Peter Regli (geb.1959) hat die Haupträume des Centre
d’art Neuchâtel (CAN) in eine raumgreifende, ortsspezifische, hintergründige
und ästhetisch verführerische Installation verwandelt.
Der Zürcher ist bekannt
für seine „Reality Hackings“; das heisst, er eignet sich Realität an, um sie
verwandelt zu eigener Kunst zu erklären. Anlässlich von Utopics in Biel (Herbst 2009) stellte er
zum Beispiel Bienen ein Opernhaus zur Verfügung.
Im CAN unterläuft er Jackson Pollocks „Dripping“ und Richard
Serras Blei-„Spla
shs“ indem er flüssiges Zinn auswarf und die silbrigfarbigen
Kleckse nach dem Erhärten
teilweise wellenförmig aufrollte, aber auch zu einem Bilderfluss ausdehnte. Eine Holz-Konstruktion
dient als Aussichtsplattform.
Regli bezieht sich dabei auf Amerigo Vespucci,
nach dem Amerika benannt ist, obwohl er Jahre nach Kolumbus eintraf und somit
eine Art Reality Hacker war. Seine Himmelsbeschreibung von 1503 war ihm
Inspiration fürs CAN, umgesetzt mit abgewandelten Museums-Versatzstücken.
Das
ist spannend, nicht zu verpassen und ein klares Signal. Nach Blütezeit (ab
1995) und Dornröschenschlaf will das CAN unter Arthur de Pury wieder
überregionales Zentrum für zeitgenössische Kunst sein. De Pury scheut auch die
Provokation nicht: Im Rahmen der 1000-Jahr-Feier 2011 soll Gregor Schneiders
kaaba-ähnlicher schwarz-samtener Kubus als Teil der Ausstellung „Abstract
Protest“ am Hafen aufgestellt werden. Das erhitzt bereits heute die Gemüter.
Info: Ausstellung (Rue des Moulins 37) bis 30. Mai. Offen: Mi-So 14-18, Do bis 20 Uhr.
Link: www.can.ch
Bild: zvg