Gertrud von Mentlen (1927-2006) hat eine klassische
Künstlerinnen-Biographie des 20. Jahrhunderts. Als jung voller Tatendrang gerät
sie als Frau in Konflikt zwischen Tradition und Aufbruch.
Erst mit der
Frauenbewegung bricht in den späten 70er-Jahren auf, was in Zeichnungen schon
bereit lag. Die mit dem Bildhauer
Ludwig Gebert Verheiratete entwickelt in ihrem Atelier in Rapperswil ein
insbesondere zeichnerisches und druckgraphisches, aber auch malerisches Werk.
Das Figürliche steht im Zentrum; zum einen skizzenhaft, körperbetont,
expressiv, zum andern formbetont, surreal-erzählerisch, gesellschafts- und
umweltkritisch. 1989 wird das Werk in Altorf erstmals im Überblick gezeigt und
es erscheint eine Monographie. Dann wird es wieder still.
Jetzt ist der
Nachlass in eine Stiftung überführt und von Fanny Vogler teilweise
aufgearbeitet. Die erste „Hommage“ nach dem Tod der Künstlerin will ihr
Schaffen in Erinnerung rufen und, dem Stiftungszweck entsprechend, mit
Verkaufserlösen junge Urner Kunst fördern.
Die Auswahl konzentriert sich auf
klein- und grossformatige Arbeiten auf Papier, kommt in der Inszenierung
aber nicht über ein Ausbreiten
hinaus. Höhepunkt ist möglicherweise eine kompakte Reihe von Selbstporträts (um
1980), welche die Künstlerin hinter einer grossen Brille versteckt mit
scharfem, unerschrockenem Blick zeigen.
Alte Fabrik, bis 27. Juni 2010
www.alte-fabrik.ch
Bildlegende:
Gertrud von Mentlen:
Skizzenblatt von 1989. Bild: azw