Der in Biel lebende Solothurner Künstler René Zäch wird vom Kunstmuseum Solothurn mit einer umfassenden Retrospektive seines plastischen und zeichnerischen Schaffens geehrt. Dieses reicht zurück bis in die 1970er-Jahre.
„Das Schönste ist das Machen“, sagte René Zäch im Rahmen der
Eröffnung der nicht weniger als elf Räume umfassenden Retrospektive seines
plastischen und zeichnerischen Werkes im Kunstmuseum Solothurn.
Damit betont der Künstler überraschend mehrere in den letzten Jahren zu wenig beachtete Aspekte seines von Kontinuität und Wandel bestimmten Werkes.
Obschon formal industrieller Produktion verwandt scheinend, sind René Zächs Wand- und
Raumplastiken im Gegensatz zur Arbeitsweise anderer konstruktiv arbeitender
Künstler durch und durch
Handwerk. „Meine Arbeiten sind aus Holz und Karton, weil ich mit diesen
Materialien umzugehen weiss“, sagt er. Das entspricht methodisch zwar der
Generation des heute 64-Jährigen, ist aber im Zeitgenössischen wie es seine
Kunst ausstrahlt, selten geworden.
Wichtig ist dabei nicht das Handwerkliche, sondern die
Denkweise, die ein solches Vorgehen bedingt. René Zäch ist ursprünglich
Ingenieur und künstlerisch geprägt
von der europäischen Minimal Art,
die oft eine gegenständliche Spur, ein Stück Geschichte in die Form
integrierte. Ob er im Frühwerk über die Bedingungen eines Wandregals
nachdachte, in den 1980ern Büromaschinen zu kompakten Skulpturen verdichtete,
später die digitale Revolution thematisierte und heute über globale
Kommunikationssysteme sinniert, immer ist der „Architekt“, der seine Entwürfe
auch tatsächlich realisieren will, in den Denk- und Entwicklungsprozess
integriert.
Die zuweilen stupende Einfachheit und Klarheit seiner zuweilen hochkomplexe Systeme wie den unterirdischen Ring des Cern in Genf spiegelnden Plastiken sind darum stets mitbestimmt von den Parametern des einer Schreiner- und Malerwerkstatt ähnelnden Ateliers des Künstlers.
Dass auch er zuweilen externe Hilfe beizieht, ist dabei im
Grundsatz vernachlässigbar.
Wesentlicher ist, dass ihn bei seinen Beobachtungen unserer von technischen Geräten geprägten Gegenstandswelt nicht Raffinesse, sondern eine pragmatische Reduktion leitet, die gleichzeitig auf der Ebene der Vorstellung das Potential zu imaginär Neuem schafft. Das ist in höchstem Masse anspruchsvoll und zugleich der Kern der Qualität der Arbeiten von René Zäch.
In Solothurn ist das nicht nur in den räumlich grosszügig
und chronologisch frei kombinierten Arbeiten selbst nachvollziehbar, sondern
insbesondere auch in der Gleichzeitigke
it der Präsentation des zeichnerischen
Werkes im Kabinett. Hier ist unter anderem am Beispiel der „Auto-Biografie“
(2004) - sie zeigt die neun Velos des Künstlers von den 60ern bis
heute - zu sehen, welch
planerische Herausforderung es ist, das Anekdotische Schritt
für Schritt an die Grenzen
des Lesbaren zu führen und gleichzeitig die formal-künstlerische Rhythmisierung
zu steigern. Und dies nicht langweilig, sondern spielerisch, mit Humor, oft
auch Ironie, zugleich aber auch einer versteckten Haltung gegenüber der Welt –
Zäch ist , wie die „Auto-Biografie“ indirekt suggeriert, tatsächlich konsequent mit dem Velo (oder dem
öffentlichen Verkehr) unterwegs.
Kritisch oder gar moralisierend ist sein Werk indes nicht.
Dennoch fällt auf, dass die Kreisschlüsse – von 20 Laptop-Arbeitsplätzen zum Beispiel, einer Vielzahl von
Radar-schirmen oder systematisch verlinkten „goldenen“ Rädern - das Denk-Moment
der Illusion, des Absurden gar, deutlicher herausgearbeitet ist als in älteren Arbeiten.
Zur Ausstellung ist – mit Unterstützung von „Binding Sélection d’ Artistes“ – eine umfang-reiche Monographie erschienen. Sie erweitert die Ausstellung, zeigt aber gleichzeitig auf, dass Zächs Werk nicht oppulent gross ist, sich die „Freiheit des Tüftelns“, die dem Künstler so wichtig ist, auch auf der Produktionsebene spiegelt; mit Gewinn, wie die Hektik aller Art wohltuend konternde Ausstellung eindrücklich sicht- und fühlbar macht.
Bis 31. Oktober 2010.
René Zäch
Geboren 1946 in Solothurn
1966-1969 Technikum Burgdorf
1969 – 1971 in Finnland
1971-73 Schule für Gestaltung, Basel
1974-1980 in Amsterdam
1978-1985 in der Nähe von Florenz
Seit 1985 in Biel
Zahlreiche Auszeichnungen, 2007 Kulturpreis der Stadt Biel
Seit 1973 Ausstellungen im In- und Ausland; zuletzt in Shanghai, Ammann, Biel, Zürich, Solothurn, Grenchen, Thun, Schuls, Altorf.
Bildlegende:
René Zäch: Aus der Serie „Büro“, Zeichnung/Aquarell, 70 x 100 cm, 2005. Foto: zvg/Bernhard Schrofer