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Newsletter V 2026
JAMES KERRY MARSHALL (*1955 Los Angeles) Aus der Serie „Afrika neu betrachtet“ 2024/25, Kunsthaus Zürich. Foto: azw
OTOBONG NKANGA(*1974 Kano/Nigeria – lebt in Belgien und Nigeria) Lausanne
Die Ausstellung von OTOBONG NKANGA im Musée des Beaux Arts in Lausanne habe ich mir weit im voraus in die Agenda eingetragen, ist mir doch ihre sich über vier Stockwerke entwickelnde Installation vom Urgrund bis hinauf zur alles versengenden Sonne in Bregenz (2021/2022) in nachhaltigster Erinnerung; so klar in der Aussage und doch nie einseitige Anklage, sondern emotional vorgetragene Liebe, Klage, Gesang. Mit grosser Freude habe ich in Lausanne festgestellt, dass die damals zentralen, grossen Wandteppiche zu den vier Stockwerken nun als Leihgaben der Fondation Beyeler im MBA hängen.
Ansonsten ist die Ausstellung aber eine andere; insbesondere beginnt sie in den 1990er-Jahren als Nkanga an der Obafemi Awolowo Universität in Ilé-Ifè in Nigeria Malerei studierte. Bereits da zeigt sich die Subtilität der Pinselführung, die reiche Imaginationskraft und die Fähigkeit der Künstlerin verschiedene Stile ineinander überzuführen, wobei sie ein gewisses Mass an Narrativ stets beibehält; auch in späteren Arbeiten (Bild links).
In der Folge studiert Nkanga in Paris und Amsterdam. Thematisch befasst sie sich mit der Kolonialgeschichte ihres Landes, insbesondere den Bergbau. Sie tut dies nicht einseitig geopolitisch, sondern ebensosehr aus einer ihr Werk mitcharakterisierenden Körperlichkeit, will heissen dem Glauben an die Verbundenheit des Menschen mit der Erde. Gewalttätigkeit und Verletzlichkeit gehen Hand in Hand. Der Nadel (Bild rechts) kommt eine besondere Bedeutung zu; sie verletzt, öffnet aber auch, hat somit transformatorisches Potenzial – etwas, das Nkanga sehr wichtig ist. Denn bei allem kritischen Denken schwingt immer auch die Hoffnung der Heilung, das Hinarbeiten auf eine heilende Kraft mit. Genau das ist es, was mich auch in der grossen Installation im Obergeschoss so beeindruckt.
Sie ist schwierig zu fotografieren, da sie ein Feld (die Erdoberfläche) mit verschiedensten Elementen in der Waagrechten absteckt. Wer aber vor Ort weilt, die feinen olfaktorischen Nuancen einatmet und auch der sich zu einem feinen Klang verbindenden Stimme der Künstlerin zuhört, spürt das Zusammengehören der Glasbehälter, der Teppich-Inseln, der Keramikgefässe, der alles mit allem vernetzenden Schnüre.
Bestandteil der auf die Kraft heilender Transformation setzenden Installation sind freilich auch die Tontafeln mit Gedichten, die den leidenden Geist benennen und die Hoffnungsmomente an den Rand der Verzweiflung rücken. Keine einfache Kost – aber vielleicht ein Gebet.
P.S. Es wäre hilfreich, wenn die Gedichte in der Ausstellung als Übersetzung vorlägen, da sie auch für englisch Sprechende nicht so einfach zu verstehen sind.
JAMES K. MARSHALL (*1955 Los Angeles) im Kunsthaus Zürich
Die grösste Überraschung der Ausstellung des Afroamerikaners James K. Marshall im Kunsthaus Zürich ist die Gruppe von fünf Bildern, die der 71jährige Künstler für die Tournee London Zürich Paris geschaffen hat. Sie beleuchten historische Aspekte, die so in den aktuell zahlreichen auf kolonialen Machtmissbrauch ausgerichteten Ausstellungen kaum je auftauchen. Zum Beispiel zeigen sie Schwarzafrikaner, die Ihresgleichen skrupellos gefangen nehmen und an die Sklavenhändler gegen Geld und europäische Konsumgüter verkaufen. (Siehe Titelbild).
Die Bilder negieren deswegen die zentrale Botschaft Marshalls keineswegs, sind aber eine überzeugende Auffächerung, die «Histories» als Ganzes vertieft. Diese «Botschaft» ist die Geschichte der schwarzen Bevölkerung Amerikas, die durchwegs Wurzeln im Sklavenhandel hat.
Marshall ist ein Erzähler – ob er nun von der Überfahrt der Sklavenschiffe nach Amerika (der sog. Mittleren Passage, siehe Bild links) erzählt, Erinnerungen an führende Persönlichkeiten der Bürgerrechtsbewegung erinnert, das gewachsene Selbstbewusstsein der heutigen Afroamerikaner*innen in Szene setzt – immer ist das Narrativ der Kern, während die Malerei – das im eigentlichen Sinne Malerische – auf der zweiten Ebene verharrt. Allerdings wendet er oft in der Tradition der europäischen Malerei begründete Techniken an und erweist sich auch in anderen Belangen (z.B. der Untermalung) als durch und durch mit der Kunstgeschichte Vertrauter.
Freilich: Die Figuren sind, soweit sie Körper zeigen alle tiefschwarz – da sind keine Schattierungen, keine Brauntöne – sie sind, einem Branding gleich, SCHWARZ was sie zu einer Art Manifest macht.
Es war 1980 als Jerry James Marshall ein Selbsporträt schuf, dass ihn schwarz vor schwarz, mit weissen Augäpfeln und weissen Zähnen zeigt: «A Porträt oft he artist as a shadow of his former self», gemalt mit Eitempera wie es im 13. bis 15. Jh. von der sog. Sieneser Schule angewendet wurde. Damit verneint er die Kunstgeschichte nicht, aber er setzt sich mit seiner Identität mitten hinein. Und das mag auch seinen Erfolg auf dem internationalen Kunstparkett begründen; seine Malerei ist uns nicht fremd, denn wie ein Bild, das ich sehr mag, zeigt, «machten auch schwarze Kinder Ausflüge ins Museum» (darunter der kleine Jerry James um 1970).
Man darf indes nicht nur das Vertraute sehen, sondern soll/muss auch den Satz im Abschnitt der sog. «Vignetten» beachten, wo der Künstler angesichts eines romantischen Liebespaares in einem Park fragt, ob ein schwarzes Paar sich wohl je wirklich frei fühle. Die Antwort schwebt im Raum, denn trotz wachsender Integration, «DER» Amerikaner ist für die meisten immer noch weisser, europäischer Herkunft – das aktuelle Amerika zeugt deutlich davon.
ANNATINA GRAF im Kunsthaus Grenchen
Es ist sattsam bekannt, dass die grossen Schweizer Museen und Institutionen selten Einzel-Ausstellungen für Schweizer Gegenwarts-Künstlerinnen und Künstler zeigen. Daher bin ich ja mal gespannt, ob das Aargauer Kunsthaus für die kürzlich verstorbene, national bedeutende Bildhauerin Gillian White (*1939 in England †2026 in Döttingen/AG) analog ihrem Künstlergatten Albert Siegenthaler (1938-1984) eine Retrospektive einrichten wird.
Umso wichtiger ist es, die kleineren Museen zu beachten, die hier wesentliche Arbeit leisten. Aktuell zum Beispiel das Kunsthaus Grenchen, das im Neubau-Saal eine Werkschau der Solothurner Künstlerin Annatina Graf (*1965 in Chur) zeigt. Ihr malerisches Schaffen hat einen klaren roten Faden. Immer geht es um Sichtbarkeit respektive Unsichtbarkeit, um die Wahrnehmung zwischen Realität und Vorstellung oder Erinnerung. Dies nicht nach dem lapidaren Muster von äusserer Erscheinung und innerer Befindlichkeit, sondern ganz direkt in der Umsetzung in eine malerische Ausdrucksform. Hiezu entwickelte Annatina Graf im Laufe der Jahre einen mehrschichtigen Malstil, der das Flimmern zwischen Erkennen und Verschwimmen aufzuzeigen versucht.
Immer schon waren es Menschen – oft auch ihre Kinder – die im Fokus standen. Für die aktuelle Ausstellung hat sie freilich den Blick ausgeweitet indem sie das Thema der Sicht- und Unsichtbarkeit auf eine einerseits durch die Medien bekannte (aber vielleicht nicht thematisch wahrgenommene) politisch-gesellschaftliche Ebene stellt, andererseits zurückführt bis zu Kinderspielen, in denen zeigen und sich verstecken als köstliches Moment des Austauschs oft dazugehört. Siehe Bild.
Die Vielfalt an Themen, welche die Künstlerin aufgreift ist ebenso Teil der Qualität der Ausstellung wie die Spiegelung des medialen Hintergrundes durch die Konzentration auf und Durchmischung der Farben Magenta (rot), Cyan (blau)und Gelb. In der Serie «Verdecken» zum Beispiel finden wir sowohl Melanie Trump mit ihrem breitkrempigen Hut anlässlich der Vereidigungszeremonie ihres Mannes 2025 wie einen Gefängnisinsassen mit einem über seinen Kopf gestülpten, groben Sack. Daselbst ist aber auch das Bildnis einer Frau mit einer nur die Augen frei lassenden, rot-gekringelten, eng anliegenden Stoff-Maske, die ich (subjektiv) als Selbstbildnis mit wachem Blick auf die Geschehnisse in der Welt wahrnehme.
Ein weiteres Thema der Ausstellung, das Graf schon länger beschäftigt, sind die Stereotypen von Mann und Frau (der Mann, der nicht weinen, die Frau, die nicht protestieren darf). Nun aber zeigt sie – eine Überraschung – gleich als frontalen Blickfang beim Eingang eine geisterhafte, weisse, weinende, figürliche Animation (eine Frau, ein Mann – einerlei). Nach dem Gang durch die Ausstellung zurückschauend, erscheint sie mir wie ein alles überlagerndes Weinen, wie der Ausdruck eines sich die Haare raufenden Gefühls ob einer aus den Fugen geratenen Welt.
Konkret manifestiert sich die Thematik jedoch primär in einer in intensives Rot getauchten somit hoch emotionalen Serie, welche u.a. weinende Männer anlässlich eines sportlichen Sieges oder «Wütende Frauen» zeigen. Als Beispiel seien die Haare abschneiden Iranerinnen anlässlich der Proteste von 2025 erwähnt. Man spürt hier und weiter denkend in der ganzen Ausstellung, dass das Bestreben der Künstlerin letztlich immer dahin geht, das nicht Greifbare von Gefühlen zu visualisieren, seien diese im Motiv selbst enthalten oder entstehen sie im Empfinden der Betrachtenden in der Auseinandersetzung mit dem Bild.
SUSAN HEFUNA, HEINER KIELHOLZ, DANIELA KEISER im Kunstmuseum Chur
Wer dieser Tage auf seiner Museumstour das Kunstmuseum Chur anpeilt, findet da gleich drei namhafte Ausstellungen vor: Die eine ist die erste grössere Schau der von diversen Biennalen her international bekannten, ägyptisch-deutschen Künstlerin SUSAN HEFUNA (*1962), die – auf den ersten Blick erstaunlich – seit 2023 eine Wohnung und ein Atelier in Chur hat. Die zweite erzeugt bei mir – sehr subjektiv natürlich – schon fast ein Heimatgefühl, gilt sie doch den Intérieurs von HEINER KIELHOLZ (*1942 im Aargau – seit 1995 in Südbünden lebend), zu dessen Kunstschaffen ich schon vor 40 Jahren einen ersten grösseren Text verfasste (Heiner Kielholz/Otto Kälin Aargauer Kunsthaus Aarau 1987). Und im Labor findet man die mit Schrift, Ornamenten und Fotografien bestückte Installation «oregano» von DANIELA KEISER (*1963 Schaffhausen – lebt in Zürich).
Die Ausstellung von SUSAN HEFUNA (siehe Bild rechts) liess mich eigenartigerweise nicht so recht warm werden. Wohl erkannte ich, dass sich die Vielgereiste von all ihren Wohnorten/Aufenthalten und deren Geschichte inspirieren liess und sie in ein Netzwerk mit ihrem eigenen Leben einfügte. Sichtbar ist das in Form von Fotografien, auch Kleidern für Performances (Wanderungen durch die Orte) u.a.m. Ich erkannte auch die vielschichtige Bedeutung der Gitterstrukturen, für die sie primär bekannt ist und die ihren Ursprung in den ägyptischen Maschrabiyya (Holzgitterwerke) haben, denn durch sie kann man hinausschauen, aber nicht herein. Was die Künstlerin wohl als Bild ihrer selbst empfindet.
Nach Chur kam sie erstmals im Rahmen einer Einladung zur Ausstellung «Venedigsche Sterne», welche u.a. die Migration von kunsthandwerklichen – auch zuckerhaltigen –Tradtionen zum Thema hatte. So empfand sie ihr eigenes Leben – als Schnittpunkt verschiedenster Geschichten, Tätigkeiten, Ausdruckweisen, Bildformen. Aber die Bedeutung, die sie durch die Adaption dieses Prinzips sich selbst, ihrem eigenen Ich gibt, empfand ich, je länger ich in der Ausstellung verweilte, als zu autobiographisch, zu wenig überhöht, um mir Einlass zu gewähren.
Man kann ihre vielfach abstrakten Gitterarbeiten – ob gemalt, textil oder als Palmholzkonstruktionen im Raum – für sich betrachten und sie als solche wertschätzen, aber damit hat man – wenn sie in einem Gesamtkontext gezeigt werden – halt doch einen wesentlichen Teil ausgeklammert.
In der Ausstellung von HEINER KIELHOLZ fühlte ich mich – wen wundert’s – «zuhause». Nicht nur, weil ich mich an meine Schwierigkeiten erinnerte der Leserschaft nahe zu bringen, warum diese altmeisterlichen Bilder zeitgenössisch seien – nein, auch weil mir das Betrachten von Bildern im stillen Dialog mit mir selbst von meiner Generation her vertraut ist. Während meinem Besuch vor Ort kamen immer wieder Jugendliche vorbei, die offenbar den Auftrag hatten, sich allein ein Bild der Ausstellungen im Museum zu machen, um ihre Eindrücke in der Folge (vermutlich) in eine Diskussion einzubringen. Ich sah ihnen an, wie hilflos sie den kleinformatigen, dunkeltonigen Bildern Heiner Kielholz’ entlang schlenderten – soo weit weg von ihren eigenen Bild-Gewohnheiten waren sie. Ich begriff das sehr wohl.
Ich aber verweilte, trat gleichsam in die karg eingerichteten Räume, «durchschritt» sie, begegnete ihnen aus verschiedenen Perspektiven, fühlte mich aufgrund der vielen Kerzenhalter 150 Jahre zurückversetzt als man abends mit einer Kerze von der Küche in den Schlafraum wechselte. Dass ich dann doch noch einen (veralteten) Lichtschalter entdeckte und auch eine schlichte Ständerlampe änderte nicht viel daran. Ich suchte die Fenster, fand sie auch, aber der Ausblick war vielfach nur eine helle Fläche, selten ein helles Grün. Ich stellte mir vor, wie es sich in diesem Bett schlafen liess, wie man auf dem kleinen Gaskocher mehr als nur eine
Suppe kochen konnte. Mit der Zeit spürte ich so etwas wie eine Intimität, die mich gleichzeitig faszinierte, aber auch zum Rückzug bewog, aus «Angst» plötzlich könnte der Hausherr nach Hause kommen.
In den Biographien heisst es stets Heiner Kielholz wohne seit 1995 im Puschlav und im Bergell. Vielleicht ein Sommer- und ein Winterhaus. Das Holz unter einem Wellblechdach und der Ofen im einen Zimmer zeigen in den Bildern, dass hier Wärme nicht selbstverständlich ist. Was ihn in seltenen Augenblicken bewog, das Aussen – dem Blick auf die Berge, dem blühenden Ast eines Baumes doch für einmal Einlass ins Bild zu gewähren, weiss ich nicht. Aber ich spürte allüberall ein Leben an der Basis des Seins – etwas, das so selten geworden ist und wonach wir uns dennoch zuweilen sehnen; gerade auch im Alter.
DANIELA KEISER arbeitet ganz anders als Hefuna und Kielholz. Ihr Schaffen hat motivisch viele Facetten und ist nicht einfach zu erfassen. Der rote Faden ist die Frage wie sich verschiedenste – geologische, physikalische, aber auch alltägliche – Erscheinungen in ein visuelles System übersetzen lassen. Am Rand der Installation im Labor in Chur, die sie «oregano» nennt, liegt ein Büchlein auf, das besagt, welche Wörter in der Gebärdensprache für Gehörlose adaptiert worden seien. Vielleicht «spricht» sie die junge Frau in Grün im Video im kleinen Seitenraum des Labors, aber wir verstehen sie nicht. Damit ist das Thema von «oregano» gegeben. Wie kann Wortloses visuell seine Wirkung entfalten. Keiser nimmt dabei als Basis eigene Fotografien von Mustern, die in Indien vor die Haustüren gezeichnet werden; vielleicht um dem Ort ohne Worte, aber dennoch voller Bedeutung eine Identität zu geben. Flüchtig zeigen die grossformatigen Fotopapiere auch die Menschen, die da leben; Indien ist damit sichtbar. Der Boden ist ein gemalter Flickenteppich in weiss,grau,schwarz, der da und dort zur linearen Schrift wird – oregano, shirt, zombie, delta – vermutlich Wörter aus der Erneuerungsliste des Gehörlosenverbandes. Er heisst die Besuchenden herumzugehen, zu verweilen und nachzudenken!
KUNSTMUSEUM BERN
Und dann noch dies – nicht nur für die Bernerinnen und Berner – am 14. Juni wird über die Sanierung und Erweiterung des KUNSTMUSEUMS BERN abgestimmt, nicht nur in Bern selbst, sondern im ganzen Kanton! Einmal mehr wurde ein parlamentarischer Entscheid (Grosser Rat) nicht akzeptiert und unter dem Stichwort «Wir brauchen keine Tempel» das Referendum ergriffen. Da im Kanton Bern der Stadt-/Land-Graben sehr tief ist und man sich in Biel, Langenthal (und St. Imier sowieso) zuweilen fragt, wo denn Bern eigentlich sei, ist ein Unterschriften sammeln gegen die Stadt Bern kein Problem. Aber gefährlich für den Ausgang der Abstimmung.
Wenn ich schaue, wer da alles im Komitee gegen einen «Luxus-Ausbau» sitzt, dann schaudert mich – einigen habe ich vor wenigen Wochen meine Stimme gegeben bei den Grossratswahlen, und jetzt das! – In Bern kämpft man seit 30, ja 40 Jahren für mehr Räume für die Kunst der Gegenwart. Wer erinnert sich: 2005 hätten der «Progr» und die ehemalige Mädchen-Sekundarschule am Waisenhausplatz (direkt neben dem bestehenden Museum) als Erweiterungsbauten eröffnet werden sollen… 2017 gingen letztmals fix-fertige Pläne für einen Anbau am Museum selbst bachab. Ein Trauerspiel. Mäzen Hansjörg Wyss (in Amerika lebender Milliardär und Heimwehberner) mag den Kopf geschüttelt haben. Auch jetzt sind seine versprochenen Millionen wieder massgeblicher Teil des Sanierungs- und Erweiterungsprojektes in Höhe von 147 Mio Franken. Wird Bern sie erneut – und wohl definitiv – sausen lassen? Obwohl die Situation diesmal viel dramatischer ist, denn ein wesentlicher Teil des Vorhabens sind zwingende Sanierungsmassnahmen am Hauptgebäude und betreffen nicht die geplante Integration des demnächst frei werdenden Nachbargebäudes der Polizei.
Wird sich das Pro-Komitee durchsetzen können? Ich hoffe es von Herzen. Als Hoffnungszweig dient mir die Abstimmung in Biel in den späten 1990er-Jahren als es darum ging den heutigen Neubau des Kunsthaus Biel (Pasquart) zu bewilligen. Da wollten sich die Bieler*innen die 7 Millionen von Aristide Poma nicht entgehen lassen und sagten ja zu den 14 Millionen der Stadt für den Neubau von Diener&Diener. Das ist bescheiden im Vergleich – aber Biel ist ja schliesslich auch weder Kantons-, noch Bundeshauptstadt!
So viel für heute!
Mehr in einem Monat! Fotos: azw